interview
Wie das ABZ Braunau Fachkräfte formt
Wie das ABZ Braunau junge Fachkräfte formt: Seit 1995 steht das ABZ Braunau für praxisnahe Aus- und Weiterbildung auf höchstem Niveau. Es bietet ein breites Spektrum für Lehrlinge, Fachkräfte und Quereinsteiger. Jährlich nutzen mehr als 1.000 Teilnehmer die modern ausgestatteten Werkstätten, um sich fit für die Arbeitswelt von morgen zu machen. Im Interview spricht Geschäftsführer Dieter Geisberger darüber, wie heutzutage moderne Ausbildung aussehen muss, was nötig ist, um Jugendliche wieder mehr für den Lehrberuf zu begeistern und wie Österreichs Ausbildungssystem im internationalen Vergleich dasteht.
Im ABZ Braunau sprach Dieter Geisberger (rechts) mit Norbert Novotny unter anderem über zeitgemäße Ausbildung und Wege, junge Menschen wieder für die Lehre zu begeistern. Das komplette Interview steht übrigens als Videocast über den angeführten QR-Code zur Verfügung.
Eckdaten ABZ Braunau
• Gründung: 1995
• Hauptausbildungszweige: Schweißtechnik, Zerspanungstechnik, Mechanische Werkstätte, Elektrotechnik, CNC, CAD/CAM, Kaufmännische Module
• Auszubildende: 1.000 – 1.200 pro Jahr
Herr Geisberger, was sind die Kernkompetenzen des Ausbildungszentrums in Braunau?
Wir sind ein technisches Aus- und Weiterbildungszentrum mit Schwerpunkten in Metalltechnik, Elektrotechnik und Mechatronik. In den Hauptausbildungszweigen Zerspanungstechnik, Schweißtechnik, Elektrotechnik, Mechanische Werkstätte, CNC, CAD/CAM sowie Kaufmännische Module decken wir ein breites Spektrum ab. Ob Grundlagenkurse, Lehrabschlussvorbereitung oder spezialisierte Weiterbildungen für Fachkräfte: Das ABZ Braunau schafft Möglichkeiten, eröffnet Perspektiven und ist ein starker Partner für Betriebe und die regionale Wirtschaft.
In der Schweißausbildung hat das ABZ Braunau in den vergangenen Jahrzehnten eine Kompetenz aufgebaut, die weit über die Region hinaus strahlt. (Bild: x-technik)
„Eine gute Ausbildung schafft Perspektiven, eröffnet Chancen und formt Persönlichkeiten. Wenn es uns gelingt, junge Menschen wieder für den Lehrberuf zu begeistern, dann sichern wir nicht nur Fachkräfte, sondern auch die Zukunft unseres Landes.“
Was macht das ABZ Braunau zu einem unverzichtbaren Ausbildungspartner?
Wir folgen einem klaren Prinzip: Ausbildung auf höchstem Niveau muss praxisnah sein, auf Industriestandards basieren und maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen ausgerichtet werden. Schließlich geben diese Betriebe die Ausbildung ihrer Lehrlinge und ihres Fachpersonals vertrauensvoll in unsere Hände. Daher wird in den Werkstätten auch an modernsten Maschinen und Anlagen gearbeitet. Technisches Equipment, Software und Materialien sind auf dem neuesten Stand der Technik. Wir haben in den letzten Jahren sehr viel in die Modernisierung investiert und unsere Arbeitsprozesse und -abläufe an die Anforderungen von heute angepasst. Denn auch die Lernumgebung soll die hohe Qualität des ABZ Braunau widerspiegeln und optimale Voraussetzungen für die Auszubildenden schaffen.
In den Schweißverkstätten arbeiten die Auszubildenden an modernsten Maschinen und Anlagen. (Bild: x-technik)
Sie setzen in allen Sparten bei der Ausstattung größtenteils auf Marktführer. Warum ist es so wichtig, in der Ausbildung mit namhaften Technologiepartnern zusammenzuarbeiten?
Weil wir mit dem Equipment von Technologieführern wie etwa DMG Mori beim Zerspanen, Fronius beim Schweißen oder Trumpf in der Blechbearbeitung stets am Puls der Zeit ausbilden können. Da wir mit unseren Maschinenlieferanten sehr enge und langfristige Partnerschaften pflegen, profitieren wir darüber hinaus enorm von deren Know-how-Transfer und technischer Unterstützung. Das ist ein echter Qualitätsfaktor und ein entscheidender Vorteil für die Auszubildenden, die dieses Premium-Equipment auch in ihrer späteren Berufspraxis überwiegend vorfinden werden.
Das ABZ Braunau folgt einem klaren Prinzip: Ausbildung auf höchstem Niveau muss praxisnah sein und auf Industriestandards basieren. (Bild: Claudia Schwarz Photography)
Viele Betriebe, die selbst ausbilden wollen, tun sich schwer, überhaupt geeignete, junge Leute für eine Lehre zu finden. Warum hat der Lehrberuf so ein Imageproblem?
Das ist ein gesellschaftliches Thema. Der Lehrberuf hat in den letzten Jahrzehnten leider sehr an Ansehen verloren. Viele Eltern sagen ihren Kindern: „Mach eine höhere Schule oder ein Studium!“ Dabei ist die Lehre alles andere als eine Ausbildung zweiter Klasse. Ich kenne zahlreiche ehemalige Lehrlinge, die heute Meister, Abteilungsleiter oder sogar Geschäftsführer sind. Eine Lehre macht dich schnell erwachsen, du lernst Verantwortung zu übernehmen und verdienst schon früh eigenes Geld. Es ist ein Bildungsweg mit echt guten Aufstiegschancen.
Mit dem Equipment von Technologieführern wie etwa DMG Mori ist die Aus- und Weiterbildung stets am Puls der Zeit. (Bild: Claudia Schwarz Photography)
Wie kann es gelingen, Jugendliche wieder mehr für eine Lehre zu begeistern?
Ganz klar, man müsste wesentlich früher als bisher ansetzen. Wir brauchen Berufsorientierung bereits in der Unterstufe. Ich denke da beispielsweise an eine „Schnupperlehre“ oder berufspraktische Tage als Teil des Unterrichts. So könnten Schüler unterschiedlichste Berufsbilder kennenlernen und erste Einblicke in den Arbeitsalltag gewinnen. Wenn unser Nachwuchs etwas mit den eigenen Händen ausprobieren und somit besser „begreift“, wäre das eine große Hilfe, frühzeitig herauszufinden, welcher Beruf zu den eigenen Fähigkeiten, Talenten und Interessen passt. Hier ist die Politik gefordert, die dafür noch fehlenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir brauchen dringend mehr Freiraum für Berufsorientierung in jungen Jahren.
Großen Einfluss bei der Berufswahl von Jugendlichen haben vor allem die Familie und der Freundeskreis. Eltern oder auch Großeltern haben oft noch verstaubte Vorstellungen im Kopf – von lauten, schmutzigen Werkstätten etc. Deshalb laden wir sie bewusst auch zu uns ins Haus ein, damit sie sehen, wie sich die Berufsbilder und deren Ausbildung weiterentwickelt haben. Das ändert ihre Einstellung oftmals grundlegend.
In den Werkstätten für die Zerspanung wird an modernsten Maschinen und Anlagen gearbeitet. (Bild: Claudia Schwarz Photography)
Was können Unternehmen tun, um für junge Menschen attraktiv zu werden?
Natürlich spielen Gehalt und spezielle Benefits eine Rolle, aber das allein reicht nicht mehr. Junge Menschen wollen heutzutage sinnstiftende Arbeit verrichten, also Tätigkeiten ausführen, die nicht nur ihr Einkommen sichern, sondern auch das Gefühl von Bedeutung, Zweck oder gar Erfüllung vermitteln.
Attraktive Arbeitgeber müssen zudem Perspektiven aufzeigen und aktiv fördern, d. h. dass auch eine erfolgreich abgeschlossene Lehre einem ausgezeichnete Karrierechancen und die Möglichkeit auf eine leitende Position im späteren Berufsleben bietet. Wichtig ist nur dabei, offen anzusprechen, dass Erfolg nicht über Nacht kommt. Man muss ihn sich schon hart erarbeiten. Oder, wie ich gerne sage: Wer sich zu groß für kleine Arbeiten fühlt, ist zu klein für große Aufgaben.
Ob Grundlagenkurse, Lehrabschlussvorbereitung oder spezialisierte Weiterbildungen für Fachkräfte: Das ABZ Braunau schafft Möglichkeiten, eröffnet Perspektiven und ist ein starker Partner für Betriebe und die regionale Wirtschaft. (Bild: Claudia Schwarz Photography)
Wie hoch ist eigentlich der Frauenanteil in Ihren Ausbildungsprogrammen?
Frauen haben in den letzten Jahren stark aufgeholt. Mittlerweile haben wir bei unseren Lehrlingen einen weiblichen Anteil von 20 Prozent, Tendenz steigend. Bei Erwachsenen, die im zweiten Bildungsweg eine Lehre machen, liegt der Anteil sogar bei rund 40 Prozent. Viele Frauen erkennen, dass technische Berufe attraktive Perspektiven und bessere Verdienstmöglichkeiten bieten. Zudem gibt es immer mehr weibliche Vorbilder, die zeigen, dass es funktioniert.
Von MIG/MAG über WIG bis hin zu Elektroden- und Autogenschweißen: Alle gängigen Verfahren werden abgedeckt (Bild:x-technik)
Eine abschließende Frage: Wie steht Österreich in der Ausbildung im internationalen Vergleich da?
Ich bin selbst bei den Skills Austria aktiv und sehe unter anderem bei den Berufsweltmeisterschaften, wie stark unsere Lehrlinge im Vergleich mit anderen Nationen abschneiden. Wir haben eine breite, fundierte Basisausbildung, auf der sich hervorragend aufbauen lässt. Klar, es gibt Länder, die den Fokus verstärkt auf Disziplin und Drill legen, aber unsere Lehrlinge sind vielseitiger, selbstständiger und kreativer. Das ist eine große Stärke des österreichischen Ausbildungssystems, um die uns viele beneiden. Etwas, das wir auf keinen Fall verlieren dürfen.
Auf einer Lernwand für Elektrotechnik und Mechatronik lernen Jugendliche den Aufbau einer Solaranlage kennen. (Bild: Claudia Schwarz Photography)







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