anwenderreportage
Siebenwurst Werkzeugbau minimiert Tryout-Aufwände mit AutoForm
Siebenwurst Werkzeugbau (SWZ) fertigt Werkzeuge für alle Bereiche der Stanz- und Umformtechnik. Zusätzlich bietet das Unternehmen alle Leistungen vom Engineering über mechanische Bearbeitung bis hin zu Tuschierarbeiten im Tryout-Prozess auch einzeln an. Die Hauptkompetenz liegt dabei in anspruchsvollen Karosserieteilen, Fahrwerkskomponenten sowie Akustik- und Wärmeabschirmungen für die Automobilindustrie. Durch den Einsatz der AutoForm-Software am Standort Zwickau (D) geht das Unternehmen dafür manch einen Schritt weiter als andere Werkzeugbauer.
Zwei Erprobungspressen mit 4,5-m- bzw. 5-m-Tisch zählen zu den Schlüsseltechnologien von SWZ. (Bilder: SWZ/AutoForm)
Shortcut
Aufgabenstellung: Hohe Tryout-Aufwände durch Abweichungen zwischen Simulation und realem Umformprozess.
Lösung: Durchgängiger Einsatz der AutoForm-Simulation von der Angebotsphase bis zum Tryout sowie Abgleich mit realen Prozess- und Materialdaten.
Nutzen: Höhere Vorhersagegenauigkeit; weniger Nacharbeit im Tryout; stabilere Umformprozesse.
Auch dort beginnt die Arbeit, noch bevor das eigentliche Werkzeug gefertigt wird, mit der Simulation – und dies auf Basis von Normen und Erfahrungen. Alle folgenden Entwicklungsschritte bauen auf den daraus entstandenen Werkzeugflächen auf. Sobald dann Realdaten aus dem Tryout vorliegen, zeigt sich, wie gut Simulation und Realität übereinstimmen. Dann werden die ursprünglichen Annahmen überprüft und mit der Realität abgeglichen.
SWZ ermittelt dafür beispielsweise die realen Materialkennwerte des Tryout-Materials und vergleicht sie mit den ursprünglich angenommenen Werten aus der Simulation. Im konkreten Fall einer Frontklappe wurde deutlich, dass erst durch die Integration der tatsächlichen Materialdaten ein stimmiges Bild entstand, sodass Simulation und reales Verhalten nahe beieinanderlagen. Siebenwurst verfolgt dabei einen klaren Ansatz, welcher schon beginnend mit der Angebots- und Engineeringphase den Simulationsprozess beinhaltet. Doch dieser endet nicht mit der Fräsfreigabe. Damit wird die Simulation zum dynamischen Begleiter im Prozess, der kontinuierlich aktualisiert wird und als Digitaler Zwilling zur Optimierung während des gesamten Fertigungsprozesses fungiert.
Bei diesem Doppelwerkzeug (Innenteil BMW) hat sich SWZ über das digitale Tuschieren mehrere Tage Schleifarbeit gespart.
Full-Service-Supplier für Werkzeuge
Mit dieser Methodik, der Software AutoForm und den verwendeten Technologien hat sich Siebenwurst Werkzeugbau über die vergangenen Jahre stetig weiterentwickelt und fertigt heute komplexeste Werkzeuge für unterschiedlichste Blechteile. Das Unternehmen mit Stammsitz in Dietfurt (D) beliefert seine nationalen und internationalen Kunden nicht nur mit Werkzeugen, sondern begleitet sie mit der Übernahme der CAD-Daten und dem Beginn der Machbarkeitsuntersuchung über die Methodenplanung und Simulation bis hin zur Werkzeuganfertigung, Werkzeugerprobung sowie Bemusterung und Qualitätssicherung. „Der klassische Simultaneous-Engineering-Ansatz also, mit dem wir Vorschläge für die produktionssichere Fertigung von Bauteilen unterbreiten“, betont Geschäftsführer Christian Siebenwurst. „Darüber hinaus fahren wir für unsere Kunden auch Vorserien, fertigen Prototypenwerkzeuge und bieten ein umfassendes Servicekonzept für die Instandhaltung der Werkzeuge in der laufenden Teileproduktion.“
Die Siebenwurst Werkzeugbau GmbH in Zwickau gründete Christian Siebenwurst zum 1. Januar 1991, nachdem es schon seit den 1980er-Jahren Kontakte zum damaligen Reparaturwerkzeugbau des Presswerks Sachsenring gegeben hatte. Relativ schnell wurde eine Konstruktionsabteilung aufgebaut und mit dem Bau von Neuwerkzeugen begonnen, sodass sich aus dem Neuwerkzeugbau heute 50 Prozent des Umsatzes ergeben. „Traditionell kommen wir vom Transferwerkzeugbau, haben in den letzten 10 bis 15 Jahren aber immer mehr große Stufenwerkzeuge gefertigt. Waren wir also ursprünglich im Bereich Strukturbauteile aktiv, sind wir es mittlerweile zudem auch bei Außenhautteilen“, ordnet Christian Siebenwurst ein. „Da der Werkzeugbau in diesem Zeitraum fast komplett nach Asien abgewandert ist, stehen wir nicht nur unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Vor allem benötigen wir leistungsfähige Technologien, um die hohen Ansprüche der OEMs, Systemlieferanten und Presswerke erfüllen zu können. Die Simulation mit AutoForm ist hierbei ein sehr großer Bestandteil.“
Simulation zum Doppelwerkzeug (Innenteil BMW): Ein Wert größer 1 entspricht einem Riss. Bis zu einem Wert von 0,8 ist das Risskriterium mit entsprechender Sicherheit erreicht.
Inkrementell zu hoher Vorhersagegenauigkeit
Die Softwarelösungen von AutoForm sind heute fest in die Wertschöpfungskette von SWZ eingebunden. „Das beginnt bei der Kundenanfrage, wo wir mit dem AutoForm-DieDesigner die ersten parametrischen Werkzeugflächen erzeugen“, erklärt David Weber, Leiter Engineering. „Indem hier von Beginn an Prozesssimulationen zum Einsatz kommen, wollen wir schon in der Angebotsphase möglichst nah am Ergebnis sein und damit eine hohe Kostenvorhersagegenauigkeit erreichen.“ Die in vergangenen Jahren eingesetzte OneStep-Simulation stellt heute die Ausnahme dar, da die Absicherung und die Vorhersagegenauigkeit im Vordergrund stehen.
Ein Bauteil wird optisch vermessen.
Anwender: Siebenwurst
Die Siebenwurst Werkzeugbau GmbH mit Stammsitz in Dietfurt (D) entwickelt und fertigt Werkzeuge für die Stanz- und Umformtechnik. Darüber hinaus produziert das Unternehmen Vorserien, fertigt Prototypenwerkzeuge und bietet Serviceleistungen für die Instandhaltung in der laufenden Teileproduktion.
Siebenwurst Werkzeugbau GmbH
Herschelstraße 4
D-08060 Zwickau
http://www.siebenwurst-wzb.de
Der Weg zum grünen Bauteil
Konstruiert wird in Zwickau vorrangig mit Catia V5, das als Schnittstelle zum AutoForm-DieDesigner fungiert. „Hiermit können wir die Herstellbarkeit bereits sehr detailliert untersuchen – und zwar noch vor der Beauftragung“, unterstreicht Weber. „Sollte etwas nicht funktionieren, werden notwendige Bauteiländerungen für die Angebotsabgabe festgehalten. Für uns geht es an der Stelle darum, mit möglichst hoher Sicherheit zu einem passenden Angebot zu kommen. Nach der Beauftragung legen wir dann im Detail fest, wie das Teil hergestellt werden soll.“
Die verschiedenen OPs werden im AutoForm-DieDesigner ausgearbeitet. Sollte es der Kunde fordern, setzt SWZ bei der inkrementellen Simulation auch das Plug-in TriboForm ein. „Basierend auf lokalen Größen wie Oberflächenrauheit von Blech und Werkzeug, Beölungsbild und Schmiermittelmenge fließen damit wechselnde Reibungsverhältnisse in die Simulation ein“, fasst Leonard Krauss, Global Key Account Manager bei AutoForm, zusammen. „Gerade bei Aluminium ist dies ein entscheidender Faktor.“
Ist eine funktionierende Methode erarbeitet, folgt als fundamentaler Schritt die Rückfederungskompensation. Dabei wird mit dem AutoForm-Compensator analysiert, wie das Bauteil aufspringt und wie sich ein Teil innerhalb der Toleranzvorgaben realisieren lässt. „Eingesetzt wird hierbei häufig eine Drawshell-Kompensation, bei der die erste Beschneidestufe so angepasst wird, dass das gezogene Bauteil exakt darauf passt“, ergänzt Krauss.
Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen AutoForm und SWZ (v.l.n.r.): Leonard Krauss, Global Key Account Manager AutoForm, Christian Siebenwurst, Geschäftsführer Siebenwurst Werkzeugbau GmbH, und David Weber, Leiter Engineering SWZ.
Gamechanger: digitales Tuschieren
Dass Siebenwurst stets offen für neue Ansätze ist, zeigt das sogenannte digitale Tuschieren, zu dem im Jahr 2024 ein Pilotprojekt gemeinsam mit AutoForm vorangetrieben wurde. In diesem Fall betraf es ein Doppelwerkzeug für die BMW AG. „Wenn man mit der herkömmlichen Vorgehensweise ein solches Werkzeug zum ersten Hub in der Presse hat und das erste Mal auf das Teil fährt, kommt es regelmäßig zu Herausforderungen. Am Bauteil können Risse oder Welligkeiten auftreten, und dann müssen wir händisch den Ziehfluss herstellen“, beschreibt Weber das Vorgehen.
Dabei besteht die Gefahr, dass man sich immer weiter von der Theorie entfernt. Die Handarbeit nehme zu und irgendwann könne man die Theorie unter Umständen verwerfen. „Das ist auch der Hintergrund, weshalb wir uns für das digitale Tuschieren entschieden haben: Wir können damit einen großen Teil der dennoch notwendigen Handarbeit reduzieren“, berichtet Weber weiter. So war es auch bei dem Doppelwerkzeug: Nach dem Zusammenfahren gab es weder Risse noch Falten. „Das zeigt das enorme Potenzial des digitalen Tuschierens“, unterstreicht Weber.
Als Teil der inkrementellen Simulation wird hier mit anderen Eingabeparametern gearbeitet, sodass sich der Kontakt zwischen Blech und Werkzeug exakt abbilden lässt. „In der Simulation werden dafür zunächst die Aufdickungen und Ausdünnungen ermittelt und so angepasst, dass zum Beispiel das aufgedickte Blech genau dazwischen passt“, erläutert Krauss. „Die Tryout-Mannschaft kann sich je nach Bauteil damit Tage an Arbeit sparen.“
Es bewegt sich etwas
Siebenwurst und AutoForm arbeiten inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammen. In den vergangenen Jahren wurde die Zusammenarbeit noch einmal intensiviert. So hat sich eine ausgeprägte Diskussionskultur etabliert, außerdem wurden Schulungen speziell zur Simulationsgenauigkeit an Bauteilen von SWZ durchgeführt.
„Für unsere Arbeit könnte künftig auch der AutoForm-DieDesignerPlus interessant werden“, blickt Christian Siebenwurst auf die nächsten Schritte. Der Vorteil der Plus-Variante besteht darin, dass sie gleichzeitig als Konstruktionstool fungiert, weshalb sich CAD-Flächen direkt in AutoForm erzeugen lassen. „So könnten wir CAD-Lizenzen sparen“, fügt der Geschäftsführer hinzu. Die Kundenakzeptanz für solche Tools zu erhöhen, ist allerdings ein Prozess. Erste OEMs akzeptieren mittlerweile die AutoForm-DieDesignerPlus-Parametrik. Ähnliches gilt für das digitale Tuschieren. Es bewegt sich also etwas in der Automobilindustrie – zugunsten der Zusammenführung zweier Welten.






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