interview
TÜV SÜD: Für Österreichs Industrie im Einsatz
TÜV SÜD zählt zu den maßgeblichen Prüf- und Zertifizierungsorganisationen für die Industrie. In Österreich begleitet TÜV SÜD Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Werkstoffprüfung über Bau- und Fertigungsüberwachung bis hin zu Schulungen und Personenzertifizierungen. Im Interview erläutert Thomas Walzer, Head of Division Industry & Infrastructure bei TÜV SÜD in Österreich, welche Schwerpunkte gesetzt werden.
Thomas Walzer, Head of Division Industry & Infrastructure bei TÜV SÜD in Österreich.
„Wir freuen uns darauf, allen Interessierten zu zeigen, dass TÜV SÜD ein zuverlässiger Partner in der Schweißbranche ist – von Prüfungen und Überwachungen über Zertifizierungen und Betriebszulassungen bis hin zu Schulungen.“
Der TÜV SÜD ist mit etwa 30.000 Mitarbeitenden an über 1.000 Standorten vertreten. Bitte um kurze Vorstellung des TÜV SÜD mit seinen Kernkompetenzen.
TÜV SÜD wurde 1866 als Dampfkesselrevisionsverein gegründet und ist heute ein weltweit führender technischer Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsdienstleister. Unsere Dienstleistungen reichen von Prüfungen, Tests und Gutachten über Zertifizierung bis hin zu Ausbildung. Unser oberstes Ziel dabei ist, Menschen, die Umwelt und Güter vor nachteiligen Auswirkungen der Technik zu schützen und gleichzeitig technologischen Fortschritt zu ermöglichen. In der Division Industry & Infrastructure bei TÜV SÜD in Österreich betreuen unsere Teams eine Vielzahl von Branchen und Kunden, von der Werkstoff- und Schweißtechnik über Anlagensicherheit im Industriesektor bis hin zur Fertigungs- und Bauüberwachung von Infrastrukturprojekten.
Der Erfahrungsaustausch für Schweißaufsichtspersonen (ERFA) ist die größte Tagung für Wissenstransfer und Vernetzung von Schweißaufsichtspersonen in Österreich. Der ERFA 2027 findet am 23. und 24. September 2027 statt.
Wie ist die Landesgesellschaft Österreich organisatorisch eingebettet und welche Rolle spielt sie im internationalen Netzwerk?
Die TÜV SÜD Landesgesellschaft Österreich ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der TÜV SÜD AG mit Sitz in München. Hierzulande sind wir mit über 200 Mitarbeitenden an Standorten in Wien, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg präsent, also nah bei unseren Kunden. Gleichzeitig sind wir Teil des weltweiten TÜV SÜD-Kompetenznetzwerks. Unsere Kunden haben immer eine lokale Ansprechperson, die ihre Bedürfnisse versteht, und können gleichzeitig auf das Know-how unserer Experten in mehr als 50 Ländern zugreifen. Die Kombination aus regionaler Verankerung und globaler Expertise schafft täglich Mehrwert für unsere Kunden und Partner.
Thomas Walzer beim letztjährigen Erfahrungsaustausch für Schweißaufsichtspersonen (ERFA).
Welche Schwerpunkte setzt der TÜV SÜD in Österreich?
In Österreich decken wir ein breites Spektrum ab. Unsere Dienstleistungen reichen von der Werkstoff- und Schweißtechnik über die Hersteller- und Personenzertifizierung, Druckgeräteprüfung und Anlagensicherheit bis hin zu Fertigungs- und Bauüberwachung. Darüber hinaus bieten wir mit Managementsystem-Zertifizierungen, Arbeitssicherheit, Umwelttechnik und Nachhaltigkeitsservices ein zusätzliches Produktportfolio an. Über unsere Akademie schulen wir Fachkräfte für unterschiedlichste Herausforderungen. Zudem begleiten wir auch Projekte bei der Herstellung von Schienenfahrzeugen und Seilbahnanlagen, letztere von Österreich ausgehend sogar für urbane Seilbahnnetze wie beispielsweise in Mexiko-Stadt.
Was unterscheidet TÜV SÜD von anderen Prüf- und Zertifizierungsorganisationen?
Aus meiner Sicht sind es folgende Faktoren: Zuallererst decken wir ein besonders breites und zugleich tiefes Dienstleistungsportfolio ab. Hinzu kommt unsere starke internationale Präsenz, die es uns ermöglicht, Projekte weltweit auf einheitlich hohem Niveau zu betreuen. Wir sind auf komplexe Industrie- und Hochtechnologiebereiche spezialisiert und verfolgen dabei konsequent digitale sowie innovative Prüfansätze.
Wie unterstützt TÜV SÜD Unternehmen dabei, internationale Normen und Richtlinien sicher zu erfüllen?
Wir begleiten Kunden in allen Phasen. Das beginnt schon bei der Klärung, welche Normen und Regelwerke überhaupt relevant sind, was in vielen Fällen weit weniger trivial ist, als es klingt. Auch hier kommt uns unser internationales Kompetenznetzwerk zugute. Unternehmen unterschätzen manchmal Dokumentationspflichten. Die technische Ausführung ist häufig korrekt, aber die Nachvollziehbarkeit fehlt. Was man jedenfalls machen soll: Besser frühzeitig nachfragen, denn Korrekturen im Nachhinein sind in der Regel kostspielig.
Im Bereich Schweißtechnik gelten hohe normative Anforderungen. Welche Leistungen bieten Sie hierfür an?
Wir zertifizieren Betriebe nach EN ISO 3834, EN 1090 für den Stahl- und Aluminiumbau und EN 15085 für die Herstellung von Schienenfahrzeugen. Zudem sind wir als Personenzertifizierungsstelle auch bei Schweißer- und Bedienerprüfungen tätig. Wir begutachten Druckgerätehersteller nach AD 2000 und der europäischen Druckgeräterichtlinie. Dazu kommen Werkstoffzulassungen und die Zertifizierung von Schweißzusatzwerkstoffherstellern. Ergänzend führen wir zerstörungsfreie und zerstörende Werkstoffprüfungen durch, erstellen Schadensanalysen und metallografische Untersuchungen. Und nicht zuletzt überwachen wir schweißtechnische Fertigungen direkt vor Ort und engagieren uns auch in der Ausbildung.
Können Sie näher auf die Zertifizierung von Schweißbetrieben eingehen?
Am Anfang steht die Wahl der zugrunde liegenden Norm. Welche das ist, hängt vom Tätigkeitsbereich des Herstellers ab; sei es durch Kundenanforderungen oder durch geltende Richtlinien und Verordnungen. Für tragende Stahlbauteile etwa ist die EN 1090-1 maßgeblich. Sobald die betrieblichen Voraussetzungen geschaffen sind, stellt das Unternehmen einen Zertifizierungsantrag, woraufhin unsere Zertifizierungsstelle ein Angebot erstellt. Anschließend findet ein Vor-Ort-Audit durch einen Experten statt, bei dem die Normerfüllung bewertet wird. Nach positivem Abschluss wird auf Basis der Auditunterlagen das Zertifikat ausgestellt.
Was hast es mir der neuen Kooperation mit dem Wifi OÖ auf sich?
Seit 2021 veranstalten wir mit dem Erfahrungsaustausch für Schweißaufsichtspersonen (ERFA) die größte Tagung für Wissenstransfer und Vernetzung von Schweißaufsichtspersonen in Österreich. Dabei haben wir den Bedarf an qualifizierter Ausbildung direkt in Wien wahrgenommen. Aus diesem Bedürfnis heraus ist dann die Kooperation mit dem Wifi OÖ entstanden. Konkret ist unser Wiener Standort Gastgeber des internationalen Lehrgangs IWE: Das Wifi OÖ bringt als Anbieter die didaktische Kompetenz und die Zulassung als Approved Training Body mit, wir die Räumlichkeiten und den Zugang zur Praxis. Der Lehrgang ist modular aufgebaut und verbindet Selbststudienphasen mit Präsenzunterricht sowie praktischen Übungen. Die Ausbildung folgt den Vorgaben der EN ISO 14731 sowie den Regelwerken des International Institute of Welding (IIW) und der European Welding Federation (EWF). Der erste Lehrgang läuft bereits, und wir freuen uns besonders, dass es heuer schon die ersten Absolventen in Wien geben wird.
Wie verändern Digitalisierung, Automatisierung und KI die Anforderungen an Prüf- und Zertifizierungsdienstleister? Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?
Digitalisierung und KI bringen tiefgreifende Veränderungen. Gerade angesichts des Fachkräftemangels sehe ich KI als wertvolles Werkzeug, um vorhandene Expertise besser zur Geltung zu bringen: Wenn Routinetätigkeiten automatisiert ablaufen, können sich qualifizierte Mitarbeitende stärker auf anspruchsvolle Aufgaben konzentrieren, die menschliches Urteilsvermögen erfordern. Basiswissen lässt sich durch KI abbilden, doch Spezialisten bleiben unverzichtbar. Ohne ihre Kompetenz kann weder die Digitalisierung eines Herstellungsprozesses noch ein Technologiewechsel gelingen. Für uns als Prüfdienstleister kommt eine weitere Dimension hinzu: Wir betreiben eine unabhängige Zertifizierungsstelle für Cybersecurity und sehen es als Aufgabe, neue Technologien sicher zu machen. Insgesamt betrachte ich KI als Chance. KI wird helfen, Probleme, deren Lösung heute Tage dauert, in Stunden oder Minuten zu bewältigen. Der Mensch soll, muss und wird dabei mit seinen Kompetenzen jedoch weiterhin die zentrale Rolle spielen.
TÜV SÜD ist Aussteller auf der diesjährigen Intertool X Schweissen in Wels? Welche Erwartungen haben Sie an die Messe?
Ja, wir sind auch heuer wieder als Aussteller auf der Messe Schweissen vertreten. Wir freuen uns darauf, bestehende Kunden und Partner wiederzusehen und allen Interessierten zu zeigen, dass TÜV SÜD ein zuverlässiger Partner in der Schweißbranche ist – von Prüfungen und Überwachungen über Zertifizierungen und Betriebszulassungen bis hin zu Schulungen. Darüber hinaus organisieren wir im kommenden Jahr erneut den größten Erfahrungsaustausch für Schweißaufsichtspersonen in Österreich: den ERFA 2027, der am 23. und 24. September 2027 stattfindet. Wir hoffen, dass uns viele Teilnehmer der letzten Jahre am Messestand besuchen.
Intertool X Schweissen: Halle 21, Stand 0207



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